• Alltags- und Gedankenschnipsel

    Erstaunlich guter Laune bin ich

    Und das ist in der Tat erstaunlich, wenn wir uns umsehen. Nicht nur unter Klimanotstand und überall sich vermehrenden Nazis haben wir zu leiden, sondern nun auch noch unter einer Pandemie, deren Gefährlichkeit noch nicht recht klar ist. Vermutlich in wenigen Tagen wird – oder vielmehr muss dank der egoistischen Dummheit zu vieler Mitmenschen – eine Ausgangssperre erfolgen; anders kann man wohl überfüllte Kaffeehausterrassen und Warteschlangen auf Kinderspielplätzen nicht vermeiden. Solidarität, Mitgefühl, Nachsicht sind zu lange schon aussterbende Werte gewesen und wer jetzt noch immer jammert, dass das alles Freiheitsberaubung sei, der hat genau zu diesem Zustand beigetragen.

    Ich bin in einer Zeit aufgewachsen, in der Raucher zwar überall rauchen durften, es aber nur dann taten, nachdem man sich beispielsweise in einem Restaurant bei den Umsitzenden erkundigt hatte, ob es störe. Und die Umsitzenden wurden nicht angezickt, wenn sie eben keinen Rauch im Gesicht haben wollten. Das änderte sich schleichend, bis derjenige, der höflich bat, doch bitte nicht zu rauchen, als derjenige galt, der sich unmöglich benimmt und zu wenig Toleranz bewies. Das änderte auch erst ein Verbot. Das natürlich aus anderen Gründen erlassen wurde, aber immerhin – es wurde erlassen. Telefonieren am Handy ist ein ganz ähnliches Thema.

    Aber darauf wollte ich gar nicht hinaus, sondern darauf, dass ich zwar keine Freundin von Verboten bin, die Menschheit allerdings auf kaum etwas sonst reagiert. All diejenigen, die nun noch immer klagen, man solle sich doch bitte auf die Vernunft verlassen und dafür sorgen, dass alle Mitbürger und Mitbürgerinnen die nötigen Informationen erhalten, um vernünftig reagieren zu können, diejenigen, die noch immer meinen,  Verbote von oben seien fatal und abzulehnen, denn es sei ja doch jeder für sich selbst verantwortlich, denen möchte ich auch nur kurz noch mitteilen: Nein. In einer Gesellschaft, in der wirklich alle ein gutes Leben führen können, da ist man eben nicht nur für sich selbst verantwortlich, sondern auch für alle anderen. Wenn du am Steuer telefonieren musst, schön und gut, wenn du dann bitte einsam gegen einen Baum fährst und nicht in eine Menschenmasse. Wenn du dir die Lunge kaputtrauchen willst, tu das gerne, aber bitte in einem kleinen Häuschen ohne Nachbarn. Und wenn du meinst, du müsstest dir die neueste Trendkrankheit einfangen, dann tu auch das, aber dann sperr dich ein und belästige niemanden weiter damit. Keiner verbietet dir das. Aber all das willst du natürlich auch nicht, wo bleibt denn da der Spaß?

    Aber wieder treibt es mich zu weit fort von dem, was mir eigentlich durch den Kopf geht an diesem Mittwochmorgen Mitte März 2020. Ich habe heute Nacht zum ersten Mal in diesem Jahr bei offenem Fenster geschlafen; Frostbeule, die ich bin, ist das immer ein großer Schritt. Und ich hatte dezent dystopische Albträumen. Aus denen ich – wie im  Titel angekündigt – verblüffend fröhlich erwachte. Ich erwache immer dann, wenn es kurz vor hell ist, und für den Großteil des Jahres bleibe ich dann geduldig im Bett, damit die anderen drei Bewohner dieses Hauses, die es pünktlich verlassen müssen, das Bad für sich haben. Im Winter ist das kein Problem, im Frühling und Herbst schon, dann kollidieren meine und ihre Zeiten, während ich im Sommer lange vor ihnen fertig bin. Heute aber stand ich um sieben Uhr unter der Dusche, die Sonne schien durchs Fenster, es blüht überall, die Vögel singen, es ist herrlich.

    Und, so seltsam es klingt, das Herrliche daran ist die Gewissheit, nicht rauszumüssen, nichts zu verpassen, wenn ich drinnen bleibe, das tun zu dürfen, was ich immer schon am besten konnte: Mich im Haus zu beschäftigen und das ohne schlechtes Gewissen, sondern mit einem guten Gefühl. Dazu kommen – vor allem für mich Superpessimistin – positive Gedanken. Gedanken, die andere auch schon äußerten und mit Fakten untermauerten oder mit romantischen Gefühlen. Wie die Welt zwangsentschleunigt wird, wie in dieser Katastrophe Neues und Gutes entstehen kann und Falsches sich selbst vernichtet. Man sieht, wer Antworten hat in dieser Krise und wer nichts zu bieten hat, man denkt darüber nach, was wichtig ist und was künstlich und verkehrt sein könnte, man erlebt, wie jetzt schon das Klima aufatmet und Tiere sich Platz zurückerobern.

    Doch nicht nur solche hehre Überlegungen kommen mir, sondern auch wirkliche Schaffenskraft und dabei mehr  Ruhe. Ich werde jetzt gleich meinen vor einigen Wochen gekauften Schreibtisch abschleifen, damit das Arbeiten daran noch mehr Spaß bereitet. Ich lasse mir Zeit, bevor ich mit dem nächsten Olivero beginne, ich habe ohne schlechtes Gewissen noch einmal Cover und Klappentexte überarbeitet, ich genieße die kurzen Spaziergänge mit den Hunden wieder, wenn wir eine Viertelstunde um den Block gehen und dabei niemandem begegnen, ich fühle mich  – vielleicht nur heute – ein wenig mehr bei mir angekommen, denn das ist eine Person, die ich doch auch sehr aus den Augen verloren hatte mit den Jahren. Klar, es wird bestimmt wieder Streit geben, wenn ich die Söhne an ihre Hausaufgaben zwingen muss und der Gatte wird wieder meinen, ich solle ihm keine Aufgaben geben, aber so what? Das ist einmal eine Situation, aus der man durchaus noch das Beste machen kann: Im Jetzt bleiben und lesen, Filme schauen, Sport machen, umräumen, alle Kleider anprobieren, aufmunternde Memes erstellen und verbreiten, mit Freundinnen telefonieren.

    Bleibt bitte gesund und verfallt nicht in Panik. Und wenn ich das kann, dann auch jede andere.

  • Lesetipps

    Mal etwas zum Schauen – Film- und Serientipps

    Wie wäre es wohl, könnten Emma, Melisande, Miss Brent und Lily sich neben uns aufs Sofa setzen und sehen, was wir über Streamingdienste und Fernsehen anschauen? Was würden sie empfehlen?

    Schauen wir mal … 😀

    Fangen wir mit Emma an. Emma hat eine besondere Vorliebe für Jane Austen, da geht es ihr wie Charlotte Walden und Miss Harriet Brent. Welch ein Gegiggele gäbe das wohl, säßen diese drei gemeinsam vor dem Fernseher?


    Als Kennerin der Romane würde ihnen der Film mit Keira Knightly sicher gut gefallen, setzt er doch in seiner Kürze diese Kenntnisse voraus. Weshalb wer wie handelt, welche Regeln zu befolgen waren und auch die Persönlichkeit der einzelnen Charaktere werden nicht unbedingt ausführlich geschildert; insgesamt konzentriert sich der Film auf kaum viel mehr als die Liebesgeschichte.

    Was aber eben diejenigen, die mit dem Roman vertraut sind, nicht zu sehr stören dürfte, denn all das hat, was der Film nicht zeigt und sagt, hat man ja immer im Hinterkopf und kann sich so an schönen Bilden und (gelegentlich zu) romantischen Momenten erfreuen.


    Nun, die drei hätten also ihre Freude an diesem Film, aber vermutlich wären sie von der Serie mit Colin Firth überzeugter – und Miss Brent würde wohl erschreckt den Blick abwenden, wenn Mr. Darcy aus dem Teich klettert.

    Das allerdings dürfte das Einzige sein, worüber sie sich schockiert zeigt, denn ansonsten ist die Verfilmung sehr nahe an der Vorlage. Die Eltern Bennett sind genauso komisch mit den Hauch an Tragik, wie sie es sein sollten; Mr. Wickham könnte wohl hübscher sein, benimmt sich aber ganz so, wie Miss Austen es ihm vorschreibt. Mr. Collins, Lady Catherine de Bourgh, Georgiana Darcy, Lydia – sie alle dürften Miss Brent durchaus vertraut und lebensecht vorgekommen sein.


    Mr. Darcy ist natürlich die Nummer eins der Damen, aber auch Käpt’n Wentworth könnte ihnen gefallen. Ein Mann, der über Jahre hinweg liebt, obwohl er abgewiesen wurde, und sich diese Liebe auch eingesteht, als er der so verehrten Anne erneut begegnet – nun, das rührt die Herzen sicherlich, obwohl ich sicher bin, dass zumindest Emma etwas dazu zu sagen hätte, dem Charlotte mit zustimmenden Augenrollen begegnen würde.

    Diese Verfilmung kommt recht spröde daher; in den Besprechungen liest man gelegentlich, die Schauspieler wären nicht hübsch genug. Aber mir gefällt gerade dieses Zurückhaltende und die schlichtere Optik – genauso dürfte Anne Elliot sich gefühlt haben: zurückhaltend bis zur Unsichtbarkeit, kaum Schönes und Besonderes um sie herum.

    Und dann ist da Ciarán Hinds, der einige Jahre später in einem anderen Film erscheint, der Emma ebenfalls viel Freude machen dürfte.


    In Miss Pettigrews grosser Tag spielt er einen Gentleman, der die Produktion von Herrensocken zugunsten der Herstellung von Damenmiederwaren aufgegeben hat. Was er sehr bedauert, aber das ist natürlich nur ein kleiner Teil in diesem absolut liebenswerten Film der auf einem ebenso liebenswerten Buch beruht.

    Miss Pettigrew ist eine mittelalte Pfarrerstochter, die durch ein Missverständnis und eine kleine Lüge zur Privatsekretärin einer jungen Schauspielerin wird, deren Leben ein wenig konfus verläuft und daher dringend einer ordnenden Hand bedarf. Wie nun ausgerechnet die streng erzogene und bettelarme Miss Pettigrew der guten Gesellschaft Londons aushilft, das ist einfach wunderbar. Allerdings wäre Emma auch geschockt, geht es doch in den Zwanzigern stetig aufwärts – Arbeitslosigkeit und Armut kehren also in den Dreißigern wieder zurück? Und ein Krieg mit Deutschland ist auch zu befürchten? Das sind die Töne, die anklingen in diesem dennoch munteren und hoffnungsvollen Märchen.


    Äußerst angetan aber dürfte Emma die Mordfälle der australischen Miss Fisher hintereinander weg schauen – könnte gut sein, sie lernt etwas, was sich später als nützlich erweist! Besonders dürfte ihr gefallen, dass auch Phryne mit Küche und Haushalt nicht allzu viel am Hut hat; eine Schwester im Geiste ist sie doch gewiss?

    Gut, die Sache mit den vielen Herren, die sie über Nacht beherbergt, die wäre Emma vielleicht ein wenig peinlich, aber mehr als einmal würde sie Siegfried darauf hinweisen, wie sich ein Kriminalpolizist einer hilfsbereiten Dame gegenüber zu benehmen hat. Und was den Luxus der Miss Fisher anbelangt – nun, Emma ist bescheiden und es reicht ihr völlig, gut durchzukommen und gelegentlich von dem Reichtum ihrer Tante Sybil zu profitieren; es muss nicht immer Samt und Seide und ein rasanter Spinoza sein, der gute, alte Adler tut es auch für die alltäglichen Fahrten. Vielleicht wird Emma sich sagen, dass sie immerhin noch die Jugend auf ihrer Seite habe – wer weiß, was noch alles auf sie warten wird?


    Bestimmt gibt es noch mehr, was Emma gerne anschauen würde, aber für die nächsten Wochen ist sie erst einmal gut beschäftigt. Demnächst schaue ich dann mal den Angestellten des Instituts für Fantastik über die Schulter …

    (Ein Klick aufs Bild führt übrigens zum Stream für Amazone-Prime-Kundinnen bzw. zur Produktseite)

  • Charaktere bei Fräulein Schumacher,  Die Zwanzigerjahre,  Emma

    Fräulein Schumacher auf Fotografien

    Erstaunlich, aber wahr: Ich trug Emma ja schon seit langen Jahren in Gedanken und natürlich hatte ich dabei auch eine Vorstellung von ihrem Äußeren. Vage zwar nur, aber doch so, dass ich sie würde erkennen können, stünde sie überraschend vor mir. Und genau das tat sie, nachdem ich damit begonnen hatte, sie aufs Papier zu bannen.

    Nun habe ich immer schon eine Vorliebe für die Ästhetik der Zwanziger- und Dreißigerjahre gehabt; vor über zehn Jahren hatte ich begonnen, Pullover nach Anleitungen dieser Zeit zu stricken, habe mir deshalb auch das Nähen beigebracht für die passenden Röcke und Kleider und …

    Aber ich schweife ab. Wenn ich nach Inspiration für einen neuen Kleiderschnitt suchte, gerieten mir immerzu Hollywoodfotografien berühmter und weniger berühmter Schauspielerinnen in den Weg; doch an Loretta Young kann ich mich nicht wirklich erinnern – ich wüsste spontan keinen Film zu nennen, in dem ich sie gesehen haben könnte. Und auch eine Raquel Torres war und ist mir unbekannt. Lilian Harvey hingegen war mir natürlich ein Begriff: Die drei von der Tankstelle ist auch heute noch sehenswert.

    Wie dem auch sei, keine dieser drei Damen hatte ich vor Augen, als ich mir Emma vorstellte. Doch je nach Fotografie und auch Lebensalter gibt es mit jeder von ihnen erstaunliche Ähnlichkeiten:

     

     

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    Eine sehr junge Loretta Young, die hier genauso unschuldig-neugierig schaut, wie ich es mir bei Emma vorstelle, nachdem sie sich endlich hinauswagt in die Welt.

     

     

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    “Aber mein lieber, guter Herr Wertheim, ich bin vorsichtig, das verspreche ich. Es ist ja alles ganz harmlos, nicht wahr?” Könnte unser Kriminalkommissar da widerstehen?

     

     

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    Bei wem würde Emma mitten in der Nacht Hilfe suchen, wenn sie völlig konfus ist? Bei Tante Sybil natürlich …

     

     

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    Und von wem würde sie sich solche Roben leihen können? Doch sicherlich auch von Sybil, vor allem dann, wenn sie wieder einmal auf einem derer Tanzfeste als Augenschmaus zu dienen hat.

     

     

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    Und das müssen doch Emma, Gertrud und Gigi sein, oder nicht?

     

     

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    Das Bild müsste wohl von ihrem 21. Geburtstag stammen.

     

     

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    Und das hier muss geknipst worden sein, als sie eben begann, sich mit Tante Sybil zu verstehen, aber noch bevor sie nach Frankfurt fuhr, um ihren Papa zu suchen.

     

     

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    Ein Beitrag geteilt von Ephemeral Elegance (@ephemeral.elegance) am

    Das hier ist – und ich hätte sie nicht erkannt – Lilian Harvey, die mehr Bein zeigt, als Emma es wagen würde. Außer vor James natürlich. Aber der Blick, das Profil: Das ist Fräulein Schumacher.

     

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    Raquel Torres bei der Gesichtspflege könnte ebenso gut Emma sein, nachdem Sybil ihr klargemacht hat, wie wichtig es ist, die Haut täglich zu reinigen und einzucremen.

     

     

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    Und das hier das Bild, auf dem ich Emma zum ersten Mal sah, nachdem ich mit dem Schreiben angefangen hatte. Zack, Bumm, Peng, da war sie und es ist ja klar bei diesem Blick, dass das Mädel nicht halb so schüchtern würde sein können, wie sie es von sich selbst glaubte. Kein Wunder, dass sie immer wieder in einem Fall hineinstolpert – sie kann da wirklich nichts zu, es passiert einfach so. Und was soll sie da machen?

  • Hinter den Kulissen

    Vom ersten Versuch bis zum – hoffentlich – letzten Ergebnis

    Ich erzählte ja, wie sehr gerne ich mich um meine Cover kümmere. Vielleicht darf ich auch zugeben, wie wenig zufrieden ich aus heutiger Sicht mit den ersten Versuchen war. Vermutlich hätte ich ein fertiges Cover gekauft, hätte ich nur eines gefunden, das zumindest ungefähr meinen Vorstellungen entsprach. Also habe ich mich durchgemogelt.

    Wie wäre es also mit einem Rückblick auf Lilys erstes Erscheinen? Die Film-Reihe ist albern, lustig, märchenhaft und das sollte das Titelbild auch vermitteln. Was wirklich, wirklich schwierig für mich war.

     

    Das erste Cover war wirklich, wirklich mit nächtelanger Arbeit verbunden und ich mochte, dass es wirkte, als stamme es aus den Fünfzigerjahren, wenn das auch gar nicht zur Geschichte der Zeit passte. Aber trotzdem versprach es nicht so ganz das, was es verbarg.

    Ich dachte, vielleicht müsste ich auf Authenzität vollkommen verzichten, zumal in dieser Geschichte – im Gegensatz zu Emma – die Zwanzigerjahre eine nicht ganz so bedeutende Rolle spielen. Ich suchte also nach Silhouetten, die irgendwie zur Zeit und zum Thema Film passten. Und die Tänzerin kam in verschiedenen Ausführungen, also kaufte ich die Grafiken und bastelte. Aber kaum hatte ich dieses Cover in Verwendung, da störte ich mich an dem Schwarz, das so gar nicht zu mir passte. Ich spielte weiter, vergrößerte die Silhouette, ließ sie heller werden, färbte sie ein, entfärbte sie – doch was ich auch tat, es war noch immer nicht die Lily, die mir vorschwebte.

    Weiter ging es mit anderen Grafiken, doch was ich auch versuchte, es wollte nicht werden. Ich orientierte mich an den Covern britischer Chick-Lit, aber mit den knalligen Farben konnte ich auch nicht warm werden, wenn mir auch das fröhliche Pärchen gut gefiel. Wieder verbrachte ich Nächte mit dem Laptop, fügte Glitzer hinzu, Licht, Schatten, was immer mir einfiel. Und war für einige Wochen durchaus zufrieden – immerhin zeigte es die Albernheit und die Zeit des Romans.

    ABER, aber, aber es nagte doch weiterhin an mir: Wenn meine Lily auch einen wunderbaren Mann an ihrer Seite hat, ist doch sie die Hauptperson und sollte sich das Scheinwerferlicht nicht teilen müssen. Und das kurze Kleidchen mag neckisch aussehen, aber die Vintageliebhaberin und -puristin in mir weinter bitterliche Tränen. Weshalb ich also endlich mir die Zeit nahm, von vorne zu beginnen. Es traf sich günstig, dass Gatte und Söhne so viel Unruhe über mehrere Tage verbreiteten, dass an vernünftiges Schreiben eh nicht zu denken war – das schaffte mir also die Entschuldigung fürs Spielen. Wie für Emma auch suchte ich in meinem Schnittmusterarchiv und in gemeinfreien Werken nach Modezeichnungen, die ich so bearbeitete, wie ich es im letzten Beitrag beschrieben habe. Dazu kaufte ich Grafiken, die dem Art Deco nachempfunden sind und sonnige Urlaubsorte darstellen. Jetzt wurde es langsam – zumindest für mein Empfinden. Die Buntheit macht mir Laune, Lily ist elegant, wie eine Filmdiva es sein sollte, das Cover sieht nach Sommergeschichte aus – Mission hoffentlich endlich erfüllt.

  • Hinter den Kulissen

    Das Schöne am Selbstverlegen: Cover entwerfen und erstellen

    Ich bin vor nicht allzu langer Zeit von einem nicht zu großen, aber durchaus nicht unbekanntem Verlag angesprochen worden, ob ich mir vorstellen könnte, meine Emma mit etwas mehr Sex und etwas mehr Blut zu garnieren und sie dafür innerhalb eines Jahres in den Buchläden zu finden.
    Natürlich war ich geschmeichelt ob der Anfrage, einfach deshalb, weil ich mich freute, überhaupt von jemandem gesehen zu werden. Zu meinem Erstaunen dachte ich nicht eine Sekunde darüber nach – und das hatte ich wirklich nicht erwartet! – sondern lehnte dankend ab. Weil ich eben nicht nur gerne schreibe, sondern dazu auch genau das schreiben möchte, was mir gefällt. Was eben mehr Sex und mehr Blut definitiv ausschließt. Ich lese derlei selbst nicht gerne und ich weiß von einigen anderen, dass sie genau das eben auch nicht mehr sehen wollen. Wir mögen eine kleinere Gruppe sein als diejenigen, die genau nach diesen beiden Zutaten in Krimis suchen, aber dann ist das eben so und ich schreibe für wenige, aber dafür besonders entzückende Personen – was sich ja von selbst versteht, nicht wahr? Also das mit dem besonderen Entzücken. Jede einzelne Leserin, mit der ich Kontakt haben durfte, erwies sich als klug, warmherzig und humorvoll und mehr geht wirklich nicht.

    Aber es war nicht allein das, was mich zu meiner Entscheidung bewog. Da sind natürlich all die anderen Dinge, die ich gar nicht genre mache und nicht gerne tue – Werbung beispielsweise kann ich gar nicht, aber das muss man als Autorin auch dann selbst in die Hand nehmen, wenn man über einen Verlag auf den Markt geht. Dafür müsste ich aber auch Dinge abgeben, die ich sehr gerne selbst erledige: Siehe oben – Cover erstellen. Sicher, auch hier könnte man wahrscheinlich Besseres und vor allem Verkaufsförderndes basteln, aber natürlich bin ich auch hier wieder eigen: Nicht nur meine Schreibe und meine Themen müssen mir gefallen, sondern auch noch das Titelbild. Ja, ich weiß, ich bin uneinsichtig und stur, es tut mir leid.
    Doch was habe ich eine Freude daran, mich an die Cover zu setzen und von meinem ersten Versuch bis zum jetzigen Layout habe – so hoffe ich – eine Menge gelernt und verbessert.

    Wann immer ich eine vage Idee zu einer neuen Geschichte habe, habe ich keine Sekunde Ruhe mehr für anderes, bis ich ein dazu passendes Cover fertiggestellt habe; so merke ich mir die Idee und so komme ich während des Bauens auf weitere Ideen. Gelegentlich setze ich mich drei oder vier Tage am Stück hin und bastele zwei bis vier verschiedene Titelbilder, bevor ich brav weiterschreibe mit meiner Geschichte. Die sich übrigens wie nebenbei in diesen Tagen weiterentwickelt, so dass ich kaum erwarten kann, sie fortzusetzen. Also alles nur positiv, wie ich finde.

    Wie läuft das also ab? Vor allem für Emma habe ich mittlerweile ein festes Layout, das bestimmt, wo der Rahmen ist, wo mein Name und der Serientitel, das Stadtbild und das Fräulein Schumacher. Und eben jenes Fräulein Schumacher nimmt die meiste Zeit in Anspruch, denn sie suche ich mir entweder aus meinen eigenen Schnittmustern und Modezeitschriften des entsprechenden Handlungsjahres heraus oder ich finde sie in digitalisierten Magazinen, die gemeinfrei sind. Klingt erst einmal locker, oder? Aber gerade Bilder aus den Zwanzigern, gedruckt auf Papier, das sich längst verfärbt hat, das verknittert und gerissen ist, sehen nicht so aus, wie ich sie haben möchte – sie sind verschwommen, verblasst, winzig klein oder liegen als JPEG vor, was zu Schlieren um die Konturen führt. Finde ich also eine Abbildung, die mich an Emma erinnert, die die passende Kleidung trägt und die richtige Gestik und Mimik mitbringt, dann geht es los.

    Der Hintergrund muss entfernt werden, Konturen nachgezeichnet, Fehlendes ergänzt und Farben hinzugefügt. Das nimmt im Schnitt vier bis fünf Stunden in Anspruch, bevor es an die weiteren Details des Covers geht.

     

     

    So sieht es beispielsweise aus, nachdem die ersten Schritte erledigt sind. Bei besonders klaren Bildern kann ich die Farbe in die freie Fläche einfügen, ohne vorher alles sorgfältig zu markieren. Was leider selten ist. Meist ist es wie oben: Es bleiben verwaschene Linien und farbliche Blindstellen. Hier habe ich alles nachgezeichnet, was durchaus meditativ sein kann.

     

     

    Mit etwas Abstand betrachtet, sieht man, wie die Grafik verschwommen und unsauber wirkt. Nun könnte man sagen: Das bemerkt doch keiner bei einem digitalen Cover, das doch winzig ist. Ja und nein. Natürlich sieht man die einzelnen Farbflecke nicht, aber der Eindruck insgesamt ist einfach nicht lebendig, nicht klar. Da schreit die Perfektionistin in mir (wohlgemerkt: Ich selbst bin gar keine Perfektionistin, aber irgendwo tief in mir drin hockt ein solches Weibsbild und nölt herum, auch nachts um drei nach, wenn ich wirklich niccht mehr will!)

     

     

    Das sieht schon besser aus, oder nicht? Verwendete ich mein Fräulein Schumacher pur und groß, so würde ich nun noch die zu kräftigen Konturen verschmälern, aber da greift dann doch der Fakt, dass das Titelbild selten nur in voller Auflösung zu sehen sein wird – mit diesen harten Konturen wirkt das Cover einfach klarer, vor allem, wenn ich zuletzt die Papierstruktur darüber gebe.

     

     

    Jede einzelne Linie ist nachgezogen, alles Überstehende entfernt. Gelegentlich – beispielsweise am rechten Knöchel oder am linken Absatz – ist es nicht perfekt, aber das fällt später wirklich nicht mehr auf, da muss die Perfektionistin halt mal heulen gehen, denn irgendwann muss ich auch einmal schreiben. Aber zwischen Original und Kopie liegen in diesem Fall sechs Stunden Arbeit, die ich nicht missen möchte.

    Für den Stadthintergrund gehe ich ähnlich vor; ich habe eine Sammlung Bonner Ansichtskarten, die ich einscanne und in eine Datei verwandele, die einer Zeichnung ähnelt. Dann kümmere ich mich um das farbliche Zusammenspiel, suche nach einer Hintergrundfarbe, die zu den anderen Bänden der Reihe passt und zum Thema, passe dann häufig auch noch einmal Emmas Kleidung an und füge zuletzt die gesamte Komposition in die eigentliche Coverdatei ein. Dort füge ich die Schatten hinzu, die Titel, den Rahmen, verpasse allem einen Papierlook und schaue, wie es sich komplett macht. Und muss mich dann bremsen, nicht noch gleich drei oder vier weitere Titelbilder zu erstellen, Spielkind, das ich bin.

    Und welches Titelbild wird dieses Fräulein Schumacher zieren? Nun, das dauert noch, bis sie in diesem Fall ermitteln darf. Es wird der vierte Roman für das Jahr 1929 werden – die Weltwirtschaftskrise wird über Emmas doch recht heile Welt hineinbrechen …

     

     

    Und weil ich so lieb bin, zeige ich auch schon einmal, welche Geschichten ich mir für 1929 denke …

     

  • Hinter den Kulissen

    Edward Sinclairs Brautschau

    In wenigen Tagen erscheint der dritte Band von Oliveros Institut für Fantastik und was sonst könnte ich tun, als gleich mit dem nächsten Roman zu beginnen? Da gibt es einen Gentleman, der im Jahr 1814 nichts dringender benötigt als eine Ehefrau. Und das, obwohl er noch kein schönes Vermögen sein Eigen nennt …

    Wie also wäre es mit dem noch rohen ersten Kapitel? Oder vielmehr ist es eine kleine Rede von Charlotte ist, die sich um ihren Bruder Edward sorgt.